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ASV Nendingen - SC Anger 11:24

Artikel vom 14.09.2008, Autor: Fritz Reichle, Views: 1645, Kommentare: 0

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Der ASV Nendingen hat seinen Auftaktkampf in der 1. Bundesliga zwar erwartungsgemäß gegen die Spitzenmannschaft des SC Anger mit 11:24 verloren. Die wichtigere Erkenntnis am Samstag in der mit 1 300 Zuschauern ausverkauften Mühlauhalle aber war, dass man durchaus auch gegen ein solches mit Weltklasseathleten gespickten Team bestehen kann. Nach einem furiosen Start mit zwei Siegen in den leichten Gewichtsklassen und einem Gleichstand von 9:9 Punkten zur Pause dachte wohl sogar manch einer an die Möglichkeit einer kleinen Sensation. Die Bayern rückten aber nach der Pause mit 5 Siegen die Maßstäbe doch wieder zurecht und sicherten sich routiniert den verdienten Sieg. Aber auch sie kamen nicht umhin, nach dem Kampf dem Aufsteiger ihre Anerkennung auszusprechen. „Einen so tollen Rahmen eines Bundesligakampfes habe ich in den letzten Jahren nicht erlebt“, zeigte sich Gästetrainer Christian Kloucek schwer beeindruckt. Doch es war nicht nur das fantastische Ambiente in der proppenvollen Halle, das den Nendingern so viel Lob einbrachte, sondern es war auch die Leistung der Ringer auf der Matte, die überzeugte. Vor allem in der ersten Hälfte des Abends wurde die Stimmung geradezu euphorisch, als in den ersten 5 Kämpfen kein Unterschied zwischen dem letztjährigen Spitzenreiter der Bundesliga und dem Aufsteiger festzustellen war.
Einen geradezu optimalen Einstieg in die Nendinger Mannschaft feierte der moldawische Neuzugang Ghenadi Tulbea im Fliegengewicht. Zwar musste er die 2. und 4. Runde gegen seinen sieggewohnten bulgarischen Gegner Krasimir Krastanov abgeben. Im 5. Durchgang aber ließ er mit zwei spektakulären Beinangriffen sein Können aufblitzen und zwang den Angerer im Jubelsturm der Zuschauer sogar auf die Schultern. Auch Andreas Miekeley (120 kg G) zeigte gegen den Estländer Heiki Nabi, Weltmeister 2006, eine absolute Klasseleistung und gab sich in allen drei Runden nur jeweils knapp geschlagen. Für eine weitere Steigerung der Stimmung sorgte dann Benjamin Raiser (60 kg G). In der letzten Saison hatte er gegen Christopher Geiger (damals noch Mietraching) zwei Niederlagen einstecken müssen. Diesmal brannte er auf Revanche und ging entsprechend motiviert auf die Matte. Dass er aber alle drei Runden für sich entscheiden würde, das hatte er wohl selbst nicht erwartet. Auch Markus Eichin 96 kg F) knüpfte nahtlos an das tadellose Auftreten seiner Mannschaftskollegen an. Der „Bär von Gresgen“ zeigte keinerlei Respekt vor Gergely Kiss, dem ungarischen Olympia-Achten von Peking und unterlag nach starkem Kampf nur mit 4:6 Punkten.
Ein Hohepunkt des Abends war zweifellos die Begegnung zwischen Florian „Lotte“ Schwarz und Alexander Kropf, der eben aus Split von der Militär-WM zurückgekehrt war. In einem begeisternden Kampf zweier wieselflinker und technisch versierter Leichtgewichtler unterlag der Nendinger nur denkbar knapp in der 5. Runde. Mit einem riskanten Angriff geriet er zwar in der 2. Runde an den Rand einer Schulterniederlage. Mit einer spektakulären Aktion drehte er aber dann in der folgenden Runde einen Rückstand von 0:2 in letzter Sekunde in einen Rundensieg mit 3:2. Auch wenn es dann zum Sieg nicht ganz reichte, „Lotte“ hatte das Publikum wieder mal voll überzeugt.
Aus der Euphorie wurde nach der Pause aber schnell wieder nüchterne Realität. Zwar kämpften auch hier die Nendinger mit vollem Einsatz und Engagement. Ihre Gegner zeigten sich aber doch einen Tick cleverer und abgeklärter. Pavel Burla (84 kg G) unterlag gegen Bernhard Mayr genauso mit 0:3 wie anschließend Semih Bosyan gegen Heinz Marnette (66 kg G). Trotz aller Bemühungen des Nendingers, gegen die spektakulären Ausheber des diesjährigen deutschen Meisters und Dritten der Militär-WM vor einer Woche war auch ein Semih Bosyan in Bestform machtlos.
Marc Buschle (84 kg F) wusste aus manchen gemeinsamen Trainingseinheiten nur zu gut, welches Kaliber er mit dem polnischen Meister und Olympiastarter Radoslaw Horbik vorgesetzt bekam. Der Pole machte nach Meinung des Angerer Trainers seinen wohl besten Kampf in der Liga bisher und war immer wieder etwas schneller und cleverer. So musste das Nendinger Ass eine denkbar knappe Niederlage einstecken, die sicherlich auch mit seiner durch eine Ellbogen-OP bedingten Trainingspause erklärt werden muss. Bastian Bentz (74 kg F) ging nach guter Leistung gegen Stefan Koch zwar mit 2:1 Runden in Führung, musste sich dann aber letztlich doch knapp mit 2:3 geschlagen geben. Auch bei Adrian Ozsda (74 kg G) hatte man auf einen Rundengewinn gehofft. Doch der ungarische Klassemann Levente Füeredy zeigte sich in der Bodenlage dann doch einen Tick stärker und setzte sich in allen drei hart umkämpften Runden knapp durch.
Auch wenn er die Nendinger Fans nicht mit allen Entscheidungen überzeugen konnte, zeigte Mattenleiter Ralf Schick (Ettenheim) eine souveräne Leistung. Als Fazit dieses denkwürdigen Abends bleibt festzuhalten. Die Sensation ist zwar ausgeblieben. Der ASV Nendingen ist aber dennoch durch die Art und Weise der Präsentation dieser Veranstaltung und durch das engagierte Auftreten seiner Ringer gegen einen „Goliath“ ein absoluter Gewinner dieses Saisonauftakts.
 

Katgeorien

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